nadnoennas

Was wäre, wenn das alles wäre. Kapitel 1

Elli stieg in den Bus mit der Nummer sechs ein, zahlte zweiachtzig und pflanzte sich auf einen Eckplatz der hintersten Bank. Da saß sie auch immer mit ihren Freunden, auf den letzten Plätzen, wo man am ungestörtesten war. Aber heute war niemand aus ihrem Freundeskreis dabei. Sie war allein unterwegs. Auf dem Weg in die nächstgrößere Stadt. Kreisstadt. Da wohnten bestimmt fünfmal so viele Menschen wie in ihrem eigenen Ort. Da erkannte sie niemand. Die Route führte über Landstraßen, an vielen kleinen Haltestellen vorbei, hielt aber nur an ganz wenigen und es stieg eigentlich nie mehr als eine Person ein. Ältere Frauen, meistens. Eben Leute, die kein Auto fahren konnten. Oder nicht durften, so wie sie selbst. Nur waren so früh am Morgen um zehn Uhr noch kaum andere Jugendliche unterwegs. Es waren Sommerferien. Vor den riesigen Fenstern, die zur Hälfte mit Werbung zugeklebt waren, flogen die Bäume nur so vorbei. Alleen, dann Wald, Mischwald, Nadelwald, wieder mehr Wiese und Büsche, immer wieder kleine Ortschaften, deren Namen sie schon auswendig aufsagen konnte. Als Kind, als sie mit ihren Eltern in die Nachbarstadt fuhr und jetzt seit ein paar Jahren ziemlich regelmäßig mit dem Bus. Es war einfach der nächste Ort, in dem man shoppen und ins Kino gehen konnte. Die Aussicht wurde wieder mehr grau als grün, mehr Häuser zwischen den Bäumen, breitere Straßen und Radwege an den Seiten. Elli gähnte. Sie hatte fast gar nicht geschlafen, drehte die Musik auf ihren Kopfhörern lauter und trommelte mit den Fingern den Takt auf dem bordeaux-karierten Rucksack auf ihrem Schoß. Imagine Dragons. Die halfen immer. Aber heute konnten sie sie nicht beruhigen. Während der letzten drei Haltestellen atmete sie immer wieder scharf ein und versuchte ganz langsam durch den Mund wieder auszuatmen. Als der Bus gegenüber der Fußgängerzone hielt, stiegen fast alle Fahrgäste aus. Elli als eine der letzten, auch, weil sie erstmal durch den halben Bus gehen musste. Es war schon ziemlich warm für die Uhrzeit. August, die Sonne brannte und in der Betonwüste hier stauten sich die Luft und die Hitze. Wahrscheinlich kühlte es hier nicht mal nachts genug ab. Aber sie hielt das aus, in Shorts und Tanktop, mit dem Rucksack, Sonnenbrille und ihre helle Haut gut in Sonnencreme gebadet. Sie war empfindlich und konnte Sonnenbrand nicht ausstehen. Der stand ihr einfach nicht, dafür war sie zu blond, fand sie. Elli nahm die Fußgängerampel über die Straße, wartete mit einer Horde Menschen, die ihr fremd waren. Fast beruhigend. Die Läden in der kleinen Einkaufsmeile waren, soweit sie das sehen konnte, alle geöffnet. Abgesehen vom Kino und ein paar Bars natürlich. Aber die Cafés hatten alle auf und einige waren schon ziemlich gut besucht. Bevor Elli ihren Plan verfolgte, sah sie beim Kultladen vorbei. Sie ging nicht rein, begutachtete aber kritisch ein paar neue T-Shirts im Schaufenster. Eigentlich wollte sie nur in den Drogeriemarkt. Online stand, dass es da auch gab, was sie brauchte, und nicht so verdammt teuer war wie in der Apotheke. Drinnen war es kühl, sie hielt sich an den Trageriemen ihres Rucksacks fest und senkte den Blick, streifte durch die Regale, bis sie fündig geworden war. Sie hatte schon auf der Webseite genau geguckt, welchen sie brauchte und wie der funktionierte, griff sich den Schwangerschaftstest und machte sich sofort auf zur Kasse. Es war ein verdammtes Glück, dass da nur zwei Kundinnen vor ihr waren und so schnell keiner nachkam um zu sehen, was sie da kaufte. Die Kassiererin warf ihr einen Blick zu, den Elli sehr angestrengt nicht erwiderte. „Paybackkarte?“ Elli schüttelte den Kopf, zahlte bar die paar Euro und ließ den Kassenzettel da.

Sie hatte sich überlegt, den Test gar nicht erst mit nach Hause zu nehmen. Stattdessen wollte sie in der Stadt eine Cola trinken, in irgendeinem Café, in dem nicht so viel los war, vielleicht. Nicht ihr Stammcafé jedenfalls. Aber jetzt überlegte sie es sich anders. Die Nervosität überwog plötzlich, sogar der Gedanke schlich sich in ihren Kopf, es sich immer noch anders überlegen zu können, einen Rückzieher machen zu können. Solange sie es nicht wusste, war immer noch möglich, dass nichts passiert war. Dass es Zufall war, dass ihre Periode nicht kam. Bis der nächste Bus zurück kam, dauerte es allerdings eine dreiviertel Stunde. Das war so viel Zeit, dass eine Cola kaufen trotzdem notwendig wurde. Elli setzte sich mit der Flasche zurück an die Bushaltestelle und versuchte sich damit abzulenken, Menschen zu beobachten. Die meisten sahen allerdings ganz normal aus. Sich selbst fand sie auch ziemlich normal. So normal, wie man als Fünfzehnjährige eben sein konnte. Sie war ja nicht so viel anders als ihre Freundinnen, oder andere Mädchen aus der Schule. In Mathe und Kunst war sie ganz gut, hatte eher Probleme mit Deutsch, mochte ihren kleinen Bruder ganz gern, obwohl der auch ziemlich nerven konnte und hatte noch keinen Schimmer, was sie von ihrem Leben wollte. Zumindest fand sie nicht so recht eine Antwort, wenn die übliche Frage kam, was sie denn werden wollte. Über das, was jetzt war, wovor sie jetzt Angst hatte, hatte sie vorher jedenfalls noch nie groß nachgedacht. Das war auch normal an ihr, oder? Dass sie einen festen Freund hatte, der ziemlich toll war und dem sie vertraute. Mit dem es überhaupt nicht komisch gewesen war, sich so ganz nah zu sein, mit dem das schön war und schnell normal wurde. Je länger Elli da saß, den Rücken gegen das wärmer werdende Glas des überdachten Bushäuschens gelehnt, desto mehr junge Leute kamen auch vorbei. Teenies fast wie sie, aber eben nur fast. Sie knetete die Finger ineinander, trank immer wieder Cola, damit ihre Hände was zu tun hatten, schaltete die Musik aus, um sich in die Stadtgeräusche zu vertiefen und wieder an und lauter als vorher, weil alles sie noch viel nervöser machte und sie sich lieber gar nicht mit dem Gedanken auseinandersetzen wollte, ob sie den Test nun benutzte oder lieber nicht. Vielleicht konnte sie auch noch ein bisschen warten. Der Bus kam, Nummer sechs, nur in die andere Richtung. Elli stieg ein und starrte für einen Moment einen Jungen an, der ganz hinten in der Sitzreihe saß, die Füße ausgestreckt und die Hälfte der Plätze so belegte. Sie setzte sich in den Vierersitz davor und drehte sich nicht um, obwohl sie das Gefühl hatte, er würde jetzt zurückstarren, wo sie das nicht mehr mitbekam. Aber sie kannte ihn nicht, auch wenn er in dieselbe Richtung fuhr und kaum älter sein konnte als sie. Spätestens jetzt merkte sie, dass sie ziemlich dringend aufs Klo musste wegen der ganzen Cola. Das war echt der falsche Zeitpunkt dafür. Die Fahrt mit dem Gefühl gemustert zu werden, dauerte noch viel länger als die erste. Auch die Musik auf den Ohren half dagegen nur wenig, aber Elli verlor sich trotzdem beim Blick aus dem Fenster immer wieder in wirren Gedanken, die sie kaum zu fassen bekam. Es war ziemlich viel gerade. So viel, dass sie von der Haltestelle in ihrem Dorf total überrascht wurde, schnell und etwas zu fest auf den Halteknopf schlug und mit schwingendem Rucksack zur Tür hechtete. Im großen Rückspiegel vorne beim Fahrer sah sie dessen zusammengezogene Augenbrauen. Von draußen aus konnte sie sehen, dass der Junge, der die ganze Zeit hinter ihr gesessen hatte, mit dem Gesicht halb an der Scheibe lehnte und die Augen geschlossen hatte. Sein Mund stand ein Stück weit offen. Elli rieb sich die Fingerknöchel, schulterte den Rucksack und ging nach Hause.

Das Haus ihrer Eltern war das normalste der Welt. Ein Basketballkorb zwischen den beiden Garagentoren und genug Platz davor, um ihn zu benutzen. Sie tat das aber kaum mehr, dafür fing ihr kleiner Bruder jetzt damit an, wenn er Freunde zu Besuch hatte, und um die zu beeindrucken, übte er manchmal alleine. Ihre Mutter mochte dieselbe Art Dekoration wie die meisten anderen Mütter. Stellte im Frühling einen Steinfrosch zwischen die Blumen, der bis Herbst da blieb und bunte Windräder, die sich gerade natürlich keinen Millimeter bewegten. Es war nicht windig. Aber es wurde gerade heiß. Elli beeilte sich rein zu kommen, ihr schwitzte schon der Rücken unter ihrer Tasche. Kaum fiel die Haustür hinter ihr ins Schloss, umfing sie das Geräusch von einem schnellen Küchenmesser auf Holz und die Begrüßung ihrer Mutter, die nicht um die Ecke sehen musste, um zu wissen, dass nur ein Familienmitglied bislang nicht im Haus gewesen war. Ihr Vater arbeitete trotz der Ferien, man bekam schließlich nicht sechs Wochen frei, und ihr Bruder schlief vermutlich noch. „Na, so früh unterwegs?“ Sie klang als würde sie bei diesen Worten grinsen. Elli ließ den Rucksack an, spähte in die Küche. Ihr Mutter schnibbelte alles mögliche in mundgerechte Happen. Sah ganz so aus als würde es heute Mittag Obstsalat geben. Bei dem Wetter wahrscheinlich als Hauptgang und danach viel Eis. Einmal warm am Tag reichte ja auch und dadurch, dass ihr Vater im Sommer abends oft den Grill anwarf, und ihr Bruder bis tief in den Tag schlief, gab es sonst eben Mahlzeiten, die man sich mal eben zwischen die Zähne schieben konnte. „Park“, sagte Elli. Sie log eigentlich nicht, war meistens einfach nicht nötig. „Isa lernt für die Nachprüfung.“ Isa war eins der Mädchen aus ihrer Clique. Nicht Ellis beste Freundin, aber sie hingen zusammen rum und dieses Jahr musste sie zum zweiten Mal eine Nachprüfung in Mathe ablegen, um in die nächste Klasse versetzt zu werden. Wäre vielleicht einfacher, das Jahr zu wiederholen und Mathe endlich mal zu kapieren, aber sie weigerte sich, das so hinzunehmen. Aber Elli verstand, dass Isa das nicht so einfach hinnehmen wollte. Die meisten in der Klasse kamen gut miteinander aus und man hatte eben Freunde da und kannte die Jahrgangsstufe darunter nicht so gut. Ellis Mutter wunderte sich nicht, sagte nur: „Das schafft sie schon. Läuft doch gut?“, ohne sich umzudrehen. „Klar.“ Elli war froh, dass sie ihr nicht ins Gesicht sehen musste. „Wann gibt‘s essen?“ „In einer Stunde?“ So genau nahmen sie die Zeiten in den Ferien nicht. „Kannst du versuchen, deinen Langschläfer von Bruder wachzukriegen?“ Elli musste grinsen „Klar“, und hörte dann ganz schnell wieder damit auf. „Ich bleib oben.“ „Okay.“ Oben donnert sie ein paar Mal gegen Stevens Zimmertür, wartete aber nicht ab. Es war ohnehin unwahrscheinlich, dass er aufstand, bevor jemand reinging, ihm die Decke wegzog und die Vorhänge aufriss. Oder eben bevor es früher Nachmittag war. Ihre Mutter würde ihn locker bis zwei Uhr schlafen lassen, bevor sie ihm eine Standpauke über Rhythmus hielt und sich dabei innerlich kringelte, wie verpennt er war. Bis dahin war es noch eine Weile. Elli ging erstmal in ihr eigenes Zimmer und wechselte das Top. Ihr neues war ein grün gepunktetes Tshirt, weiter als das Top, weil es heute sicher noch richtig heiß wurde und sie mochte es. Grün wie Sommer und grün wie Hoffnung. Sie band sich die Haare neu zusammen, wühlte nach der Tüte aus dem Drogeriemarkt und legte sich mit ihr aufs Bett. Sie brauchte locker eine Minute, bis sie den Schwangerschaftstest herauszog und betrachtete, in der anderen Hand noch die Plastiktüte, die sie irgendwie vergessen hatte und eher aus Versehen fallen ließ. Sie segelte neben dem Bett auf den Boden. Elli setzte sich schnell auf und sammelte sie wieder ein, faltete sie und stopfte sie schließlich tief in den Mülleimer neben dem Schreibtisch. Einen Moment später fand sie sich auf ihrem Schreibtischstuhl wieder, wie sie die Pappverpackung öffnete und den Inhalt auf den Tisch schüttelte. Heraus fiel ein mehrfach gefalteter Zettel und ein blauweißes Stäbchen, das auf den ersten Blick fast wie ein Fieberthermometer aussah. Nur die Farbe verriet es, zumindest hatte Elli viele Marken mit diesen Farben gesehen. Blau und weiß. Die meisten waren blau und weiß oder rosa und weiß. Ein paar gab es in lila. Sie musste die Bedienungsanleitung eigentlich nicht lesen, das hatte sie online schon gemacht, aber sie tat es trotzdem noch einmal und stopfte sie und die Verpackung dann zur Drogerietüte tief in den Mülleimer hinein. Ohne zu wühlen konnte man nichts sehen. Sie musste nur daran denken, den Eimer auch selbst rauszubringen. Am besten gleich. Aber erstmal musste sie den Test ja auch machen, richtig? Elli blieb sitzen und starrte ihn noch eine Weile an. Sie wollte nicht so richtig. Erst ein Geräusch aus dem Erdgeschoss schreckte sie wieder auf. Ihre Mutter war immer noch in der Küche und mixte irgendetwas. Ein guter Zeitpunkt. Elli schloss ihre Zimmertür wieder, sobald sie im Flur war und eilte ins Badezimmer. Der Test steckte unsichtbar in ihrer Hosentasche. Sie drehte den Schlüssel, setzte sich aufs Klo und stellte fest, dass sie nicht pinkeln konnte, obwohl sie eben noch ziemlich dringend gemusst hatte. Sie öffnete die Kappe an dem Stäbchen, um den Teststreifen freizulegen, hielt sich das Teil ein paar Zentimeter ins Klo zwischen die Beine und versuchte ruhig zu atmen. Es dauerte absurd lange, bis sie endlich pinkeln konnte, aber dann kam ein ganzer Strahl und sie erwischte auch ihre Finger. Sie erschreckte sich, umklammerte den Test krampfthaft, sah nach, ob der Streifen mit Flüssigkeit vollgesogen war, bevor sie in ausschüttelte und auf ein Klopapier legte. Sie spülte ab und wusch sich die Hände, sah auf die Uhr über der Badezimmertür. Für die nächsten zwei Minuten wollte sie nicht in Richtung des Tests sehen. Das war so verdammt schwer. Sie starrte auf die Uhr, aber der Sekundenzeiger bewegte sich wie in Zeitlupe. Also starrte Elli lieber das Stück Wand darunter, das, unter dem der Türrahmen anfing, dann die Tür und irgendwie kam sie beim Fußboden an. Weiße Fliesen, hellblauer Teppich. Ihr Blick fand wieder die Uhr, die immer noch nicht viel weiter gelaufen war. Elli setzte sich auf den Teppich und fuhr mit den Fingerspitzen über den Stoff. Er war sehr weich. Ein Flusen blieb an ihrem Fingernagel hängen. Noch ein Blick zur Uhr, erst eine Minute war vorbei. Dann plötzlich noch eine. Elli blieb, wo sie war. Der Teststreifen lag von ihrem Platz am Boden aus unerreichbar auf dem Rand des Waschbeckens. Sie war sich nicht sicher, ob sie das Ergebnis wissen wollte. Dabei war das total bescheuert, das war ihr vollkommen klar. Solange sie nicht hinsah, wusste sie es nicht genau. Solange sie nicht hinsah, war sie nicht schwanger. Elli atmete tief durch und stand so ruckartig auf, dass ihr kurz schwindelig wurde. Oder ihr wurde schwindelig vor Angst. Sie musste gar nicht so genau hinsehen, das blaue Kreuz im Testfenster fiel ihr sofort ins Auge. Ein Kreuz. Kein Strich, ein Kreuz. Sie war schwanger. Der einzige Gedanke, den sie zu fassen bekam, war: „Ich bin fünfzehn.“ Mehr war da nicht, aber der reichte auch. Er überrollte sie, füllte sie aus, brachte sie zum explodieren und dazu, ganz klein in sich zusammen zu sinken. Alles gleichzeitig. Schwanger. Fünfzehn. Scheiße. Was jetzt? Das nächste, das Elli bemerkte, war, wie sie sich mit beiden Händen auf der Klobrille abstützte und geräuschvoll übergab. Es schmeckte nach Cola und Galle. In dem Moment dachte sie, sie könnte vielleicht nie wieder Cola trinken. Die Welt drehte sich, und Elli hörte Schritte auf der Treppe. Sie packte den Test, riss ihn vom Waschbecken, sah zu, wie er hinter der Toilette verschwand und brach in Panik aus. Mit zitternden Fingern und halb auf dem Boden liegend, fummelte sie den Test hervor, ließ ihn gleich nochmal fallen, nur um ihn wieder aufzusammeln und sich in die Hosentasche zu stopfen. Sie spülte ab, wusch sich Hände und Gesicht, ging sicher, dass man weder ihre Kotze noch den Test irgendwo sah. Aber ihre Mutter klopfte ohnehin nicht an die Tür. Sie wollte zu ihrem Bruder, ihn doch wecken, weil sie wusste, dass Elli das meistens nur halbherzig versuchte und er eine Weile brauchte, um von seinem Todesschlaf zu einem halbwegs normalen und wachen Menschen zu werden. Elli ließ sich sehr viel Zeit, sobald sie das kapiert hatte. Sie wollte gerade niemandem begegnen, hatte Angst, man könnte es ihr ansehen. Es. Der Test war noch feucht und drückte einen dunklen Streifen durch ihre Shorts. Elli wartete, tippte einen Rhythmus mit dem Fuß, ganz leise, bis sie ihre Mutter die Treppe wieder hinunter gehen hörte und wie Steven nörgelnd seine Tür wieder zu zog. Erst dann schlich sie zurück in ihr Zimmer. Kaum war die Tür hinter ihr wieder zu, fummelte sie den Test aus der Hose, verzog das Gesicht, weil sie die Feuchtigkeit bemerkte und sah ihn noch ein paar Sekunden lang an, bevor sie ihn in eine Packung Taschentücher und dann alles zusammen in den Mülleimer stopfte. Den Eimer – ein besserer Papierkorb – nahm sie in eine Hand, ihren Rucksack in die andere. Sie hatte keine Ahnung, was sie tun sollte, aber sie wusste genau, mit wem. Auf dem Weg raus, warf sie ihrer Mutter ein „Nur ne halbe Stunde bei Dennis“ vor die Füße und verschwand so schnell aus dem Haus, dass das nicht als Frage verstanden werden konnte. Sie entsorgte den Müll in die große, graue Tonne und stellte den Korb daneben. Den konnte sie später wieder mit rein nehmen. Dann machte sie sich auf zu Dennis. Ihrem Freund. Der sollte es ja wohl auf jeden Fall wissen.

#Was wäre wenn