Was wäre, wenn das alles wäre. Kapitel 12
Die Welt hatte sich nicht aufgehört zu drehen. Die Welt hatte sich nicht geändert. Die Wiese im Park hatte immer noch dasselbe Grün und der Pavillon war der einzig ernstzunehmende Schutz bei einem plötzlichen Regenschauer. Aber heute war es warm und klar, es würde sicher nicht regnen. Also saß Anna schon im Schneidersitz auf der Bank neben dem Spielplatz und sah Ceyda zu, die mitten auf der Drehscheibe lag und sich drehend in den Himmel schaute. Elli sah ihr von der anderen Seite der Wiese aus zu. Sie mochte die Bewegung, hätte sich gern einfach dazugelegt, aber heute hatte sie schon den halben Tag lang das Gefühl, sie müsste gleich kotzen. Es kam nichts, obwohl sie schon zweimal zum Klo gestürzt war. Dieses Gefühl im Bauch war neu, wie fast alles, was sie gerade so fühlte. Umso schöner war es Ceyda zuzusehen. Das war etwas bekanntes, etwas normales, etwas, das sich wirklich kein Stück geändert hatte bisher. Es war fast wichtig genug, um einfach nicht über diese Wiese zu gehen und sich ihren Freundinnen anzuschließen. Es lieber so zu lassen, wie es war. Aber Elli hatte einen Entschluss gefasst. Früher oder später war es sichtbar. Ihr blieb nur die Flucht nach vorn. Sie musste es ihren Freundinnen sagen. Während sie über die Wiese ging und die Fersen schleifen ließen, Grashalme an den Seiten ihrer Fußsohlen, sah sie sich nach Joyce um. Sie war nicht zu sehen. Aber von dem Bauwagen unter den großen Eichen, wo Bier und Eis verkauft wurde, waren auch Stimmen zu hören. Menschen in ihrem Alter vermutlich. Von denen sie vermutlich die meisten kannte. Ihr Herz sank eine Etage tiefer, aber an ihrem Entschluss änderte sich nichts. Wenigstens selbst sagen wollte sie es, bevor Dennis es irgendjemandem erzählte und es die Runde machte oder sie es nicht mehr verstecken konnte, auch wenn das angeblich noch eine ganze Weile dauerte. Anna sah sie kommen und winkte, was Ceyda zu veranlasste aufzusehen und ebenfalls zu winken. Sie blieb aufrecht und wartete, bis Elli bei ihnen angekommen war. Alle tauschten Wangenküsse und Umarmungen. Elli fühlte sich falsch. Aber sie setzte sich zu Anna auf die Bank, mit dem Hintern oben auf die Rückenlehne, die Unterarme auf den Knien und die Hände gefaltet. „Alles okay?“ Anna sah sie forschend an. Natürlich war ihnen klar, dass irgendetwas nicht stimmte. Sie waren weder blöd noch blind und Elli hatte nur vergessen daran zu denken, weil sie so viel anderes zu denken hatte. Weil alles andere noch schlimmer gewesen wäre, schüttelte sie den Kopf. Das war eine gute Entscheidung. Anna nickte und Ceyda rutschte so weit von der Drehscheibe herunter, dass sie mit den Füßen bremsen konnte ohne ganz herunterzusteigen. „Dennis?“ Elli schluckte. Auf Fragen bevor sie damit herauskam, hatte sie sich nicht vorbereitet und jetzt wäre Nicken und Kopfschütteln gleich falsch gewesen. Sie schaffte ein „Ähm“, und hoffte inständig, dass Joyce um den Bauwagen herum kam, aber da tauchten nur ein paar Gesichter aus der Parallelklasse auf. Keine beste Freundin, deren Hand sie seit Tagen ständig hielt. „Nicht nur?“ Sie knetete ihre Hände, bemerkte es und schüttelte sie aus. „Was ist passiert?“, fragte Anna und gleichzeitig Ceyda: „Was hat er gemacht?“ Ellis Mundwinkel zuckten. Sie liebte die beiden und wie sie genau so waren, wie sie eben sind. Alles andere war gerade unendlich schwierig, aber sie würden das schon schlucken. „Ich bin schwanger.“ Von der Seite konnte Elli Annas Blick in ihrem Gesicht fühlen. Bohrend. Vor ihnen unternahm Ceyda den Versuch kontrolliert von der Drehscheibe zu steigen, rutschte, wurde hektisch und plumpste in den Sand. Anna hielt sich die Hand vor den Mund, Elli prustete einfach los. Das war die mit Abstand coolste Reaktion, die sie bisher bekommen hatte. „Ach du scheiße“, stieß Ceyda aus, strich sich schmierigen Sand vom Top und von den Oberschenkeln bevor sie aufstand und sich mit einem angewiderten Gesichtsausdruck die Sneaker von den Füßen pellte. „Was zum… ist das dein ernst?“ Elli wischte sich mit dem Handrücken über die Augen. Sie war momentan verdammt nah am Wasser gebaut. „Ja.“ Und nach einer kurzen Pause, die nur von etwas entfernteren Stimmen und Geräuschen von Fußball und der Skatebahn untermalt wurde: „Tut mir leid.“ „Moment.“ Anna setzte sich sehr gerade hin, ihren Schneidersitz geöffnet, ein Bein auf dem Boden, um Elli gut ansehen zu können. „Das ist… wirklich dein ernst, ja?“ Elli nickte. „Oh, verdammt.“ „Fuck.“ Elli fand beide Reaktionen passend. Sie knetete wieder ihre Hände ineinander, bemerkte es dieses Mal aber erst, als Anna danach griff. „Ja, ich… .“ Aber sie wusste nicht, wie sie den Satz beenden sollte. Es war auch nicht wichtig. Ceyda berappelte sich und setzte sich vor Elli auf den Boden. Es war staubig, aber sie war ohnehin voller Sand ab der Hüfte abwärts. Sie nahm Ellis Füße und zog sie in ihren Schoß, bis Elli von der Rückenlehne rutschen musste und auf der Bank zum Sitzen kam „Und Dennis?“ „Weiß er es?“ „Er ist doch der Vater, oder?“ Elli sah Ceyda leicht entsetzt an. „Ja, klar!“ „Tschuldigung.“ Ceyda zuckte eine Schulter und zog Ellis Flipflops aus, die sie offenbar weniger im Schoß haben wollte als ihre Füße. Sie sah Anna an, deren Frage immer noch unbeantwortet in der Luft hing. „Ja, ich… er will nicht, dass ich es behalte.“ „Okay?“ Anna hatte ihr linkes Knie umfasst und beugte sich ein Stück weiter zu Elli vor. „Und du?“ „Ich behalte es.“ Mit jedem Mal wurde es leichter das auszusprechen. Dreimal bisher. Sie zählte mit. Ceyda pfiff leise durch die Zähne. „Na,heidewitzka.“ Sie drückte Ellis Füße kurz. „Und jetzt?“ Aber Anna rückte noch näher an Elli heran und zog sie an sich. Das war besser als antworten. Elli ließ sich fallen und trösten. Weinen musste sie gerade nicht, verbarg ihr Gesicht aber trotzdem an Annas Ohr und versuchte nicht zu stark hinein zu atmen. Nach ein paar Sekunden ließ Anna los und küsste Elli auf beide Wangen. „Oh man, Süße. Wie geht‘s dir jetzt?“ Elli zog sich ein Stück zurück, lehnte sich an das warme Holz in ihrem Rücken und schloss kurz die Augen. „Ich weiß nicht. Beschissen. Aber nicht so schlimm wie gestern. Oder vorgestern.“ „Joyce war die ganze Zeit bei dir, oder?“ Bei Ceydas Frage klang nicht eine Spur von Eifersucht mit. Es war einfach offensichtlich. „Ja, oder ich bei ihr. Ich konnte das alles nicht alleine machen. Ich… wollte eigentlich Dennis dabei haben, aber er… .“ Wieder brach sie den Satz ab, schluckte. Dennis hatte klar gesagt, wie es weiterging. Gar nicht. Sie waren kein Paar mehr, wenn sie bei ihrer Entscheidung blieb. Das konnte sie zwar nicht fassen, es änderte aber rein gar nichts an ihrer Entscheidung. „Was für ein Granatenarschloch.“ Selbst Anna, die sonst eher abwägte, relativierte das nicht. Sie ging gar nicht auf das Dennis-Thema ein. „Wissen deine Eltern das?“ „Ja.“ „Und?“ Anna meinte die Frage wahrscheinlich ernst, aber Ceyda konnte man ansehen, dass sie die Antwort erraten hatte. „Sie waren wahrscheinlich nicht sonderlich begeistert, oder?“ Elli senkte den Blick. „Nein.“ Dabei umfasste das gar nicht alles, es war so viel Ablehnung, so viel Zuneigung, so viel Unverhofftes und so viel Verwirrung. Ceyda gab ein Trillern von sich. „War klar. Kriegen die sich denn wieder ein?“ „Sie helfen mir.“ Darüber, wie genau Hilfe aussehen sollte, hatte noch niemand gesprochen. Für alles war zu wenig Zeit und zu wenig Kopf gewesen und Elli war noch ganz außer Atem und hatte Muskelkater vom vielen Schniefen und Weinen und Denken und den viel zu schnellen Veränderungen. „Hey, hey! Da bist du da!“ Joyce war nicht hinter dem Bauwagen aufgetaucht, sondern in ihrer aller Rücken. Sie kam nicht um die Bank herum, stieg darüber hinweg, ließ sich auf Ellis rechter Seite fallen und zog sie in eine Umarmung. „Na?“ Geflüstert. Von Ellis linker Seite griff Anna an ihr vorbei, nahm Joyce‘ Hand und drückte sie kommentarlos. „Ah“, sagte Joyce. „Ihr wisst schon Bescheid, ja?“ Ceyda nickte. „Gut.“ Joyce erwiderte Annas Händedruck kurz und legte ihren Kopf auf Ellis Schulter ab. „Mensch, es ist einfacher, das nicht alleine zu wissen, weißt du?“ „Ja.“ Natürlich wusste Elli das. Die tagelangen Sorgen, was ihre überfällige Menstruation bedeutete. Die Fahrt allein und der Test allein und die langen Minuten bis zu Dennis. Allein sein war schlecht. „Tut mir leid.“ Ceyda war genauso allein gewesen. „Schwachsinn.“ Joyce drehte ihren Kopf, um Elli auf die Schulter zu küssen und setzte sich wieder gerade hin. „Also, wie geht‘s weiter?“ „Heute?“ Anna sah verwirrt aus. „Moment mal.“ Ceyda hob einen Finger wie im Unterricht. „Wir haben überhaupt keinen Plan, was passiert ist. Ihr wisst das doch seit Tagen, was habt ihr die ganze Zeit über getrieben?“ Joyce und Elli sahen sich an. Sie mussten erst einmal stumm absprechen, wer das nun erzählen sollte. In manchen Momenten war Joyce gar nicht dabei gewesen, daher nickte sie und Elli dachte einen Augenblick nach, wie sie anfangen sollte. „Wir waren bei meiner Ärztin.“ „Zu der wir nie wieder hingehen und besser auch keine von euch“, warf Joyce ein und fuchtelte mit einer Hand herum, die eindeutig hieß, Elli sollte sich nicht länger unterbrechen lassen. „Das war nicht so gut. „Sie ist eine widerliche Ziege. Tschuldigung.“ Joyce fuchtelte nochmal. „Ja. Naja. Und dann waren wir bei der Beratungsstelle. Das war in Ordnung. Aber davor… .“ Das war schwer in Worte zu fassen. Dieses Mal wartete Joyce ein paar Wimpernschläge, bevor sie wieder übernahm. „Da war so eine Aktion von Abtreibungsgegnern. Für die ist widerlich noch lange nicht das richtige Wort.“ Elli sah auf ihre Füße in Ceydas Schoß. Sie hatte zwar darüber nachgedacht, aber schlussendlich nun mal dagegen entschieden, deswegen verstand sie selbst überhaupt nicht, warum sie sich mit dieser Begegnung immer noch schlecht fühlte. Es betraf sie doch gar nicht. „Oh, scheiße“, sagte Anna und das verstand Elli noch viel weniger. „Ist egal. Ich behalte es ja.“ „Aber nicht deswegen, oder?“, fragte Ceyda. Die Bewegungen ihrer Finger an Ellis Füßen hatte ausgesetzt. Elli schüttelte den Kopf. Dann zuckte sie mit den Schultern. Es war vielleicht eine Mischung aus allem. Aber sie hatte schon vorher gehadert, wollte schon vorher nicht, dass Dennis einfach so einen Termin für eine Abtreibung ausmacht. Es war nicht so, dass sie sich wegen dieser Leute umentschieden hatte. „Was würdet ihr machen?“ Joyce befeuchtete ihre Lippen. Sie hatte Elli das schon gesagt. Von Anna kam ein „Ich würde es nicht wollen“ und von Ceyda ein „Ja, vermutlich behalten“, ziemlich gleichzeitig. Sie tauschten einen Blick und kicherten ein bisschen. Ganz unwohl fühlte Elli sich gerade nicht. Unter Freundinnen sein war das Gegenteil von alleine sein. Aus Richtung der Skatebahn wehte ein eindeutiger Geruch zu ihnen herüber, der Ceyda die Nase rümpfen und Anna grinsen ließ. Elli atmete tief ein und machte sich Gedanken darüber, was sie im nächsten Jahr alles nicht ausprobieren würde. Dinge, über die sie nicht so viel nachgedacht hätte, wären sie nicht plötzlich unverantwortlich geworden. „Weiß auch nicht“, sagte Anna unvermittelt. „Ich hab einfach gedacht, ich müsste darüber nie nachdenken. Sowas passiert nur anderen und so.“ „Hat ja prima funktioniert.“ Joyce streckte die Zunge heraus. „Ward ihr schon am Kiosk?“ Gleichzeitig mit der Frage stand sie auf. Entweder, um selbst hinzugehen oder das einzusammeln, was es schon gab. „Hab Chips mit“, sagte Ceyda und deutete auf ihren Rucksack, der neben der Drehscheibe auf dem Boden lag, ziemlich genau auf der Grenze zwischen Wiese und Sand. Daneben ein Maulwurfshügel. Der Himmel färbte sich orangerotlila. Es war keine einzige Wolke zu sehen. Joyce schüttelte den Kopf. „Ich muss was trinken.“ „Bringst du mir was mit?“ Elli hatte Durst und gerade war ihr eingefallen, dass auch Cola ab jetzt nicht mehr drin war. Oder nur die ohne Koffein und die schmeckte ekelhaft. „Eistee?“ „Klar.“ Joyce zog einen Geldbeutel aus ihrem eigenen Rucksack, schlenderte zum Bauwagen und verschwand dahinter. Elli hatte sich immer noch nicht ganz daran gewöhnt, wie Ceyda ihre Füße im Schoß hielt, da ließ sie los und setzte sich zurück auf die Drehscheibe. Das waren bestimmt zwei Meter Abstand zwischen ihnen, aber um sie herum gab es niemand anders, also konnten sie problemlos weiterreden. Ceyda schob sich abwechselnd nach rechts und links, bog die Füße, die Knie und die Hüfte, beugte immer einen Arm und schien sogar im Takt zu atmen. Langsamer als ein Herzschlag. „Und seine Eltern?“ Anna öffnete ihren Pferdeschwanz und band ihn neu. „Heute Morgen wussten sie es noch nicht.“ „Sicher?“ Anna sah ganz und gar nicht überzeugt aus. „Ganz sicher.“ Elli traute Wolfgang und Daniela einiges zu. Sie lächelten meistens und zu ihr waren sie immer freundlich gewesen, sicher auch manchmal, obwohl sie schlechte Laune hatten. So etwas zeigten sie offenbar nicht. Aber eine Schwangerschaft wegzulächeln, das passte absolut nicht zu ihnen. „Ich glaube einfach, er dachte nicht, dass er es ihnen sagen muss. Er dachte ja, ich bekomme es nicht.“ Ceyda hob eine Augenbraue. „Er dachte, du tust einfach, was er sagt, oder wie?“ Elli zuckte mit einer Achsel. „Er hat nicht gefragt.“ „Wow. Granatenarschloch des Jahres.“ „Bitte…“, begann Elli. „Was denn?“ Ceyda hob beide Arme. „Ist doch wahr. Ich meine, was schlimmeres konnte fast nicht passieren und er steht dir nicht bei? Was ist das denn bitte für ein Mann?“ „Vielleicht ist es das“, meinte Anna. „Er ist kein Mann, er ist sechzehn. Wahrscheinlich ist er genauso überfordert. Was es jetzt nicht unbedingt besser macht, aber…“ „Mann genug, würd ich sagen.“ Ceyda schnalzte mit der Zunge. Es war wieder fast dieses Trillern, das ihr zu eigen war und das Elli nicht hinbekam, selbst, wenn sie es gemeinsam übten. „Frau Geißler war auch überfordert“, sagte Elli. Das war ihr gerade wie Schuppen von den Augen gefallen. „Also, … naja, also, das sind nicht nur wir, oder?“ „Moment, die Frauenärztin? Wie kann die überfordert sein, ist das nicht ihr Job?“ Anna konnte schließlich nicht wissen, was vorgefallen war. Wie die Blicke sich angefühlt hatten. „Ich gehe nicht mehr zu ihr.“ Elli ließ viel Luft aus ihren Lungen, so als hätte da ein Atemzug seit Tagen festgesessen. Einer derjenigen, die sie einbehalten hatte, als die Minuten verstrichen und schließlich der Test positiv war. Der Atem war alt, und sie war nicht mehr allein, das musste jetzt weg. „Ihr geht auch zu einer anderen, ja?“ „Ja, klar!“, sagte Ceyda sofort. Anna schüttelte den Kopf. „Das musst du nicht sagen, das ist selbstverständlich.“ Elli hatte das gar nicht als Bitte ihretwegen gemeint. Sie wollte einfach nicht, dass ihre Freundinnen mal vor so jemandem sitzen mussten, wenn sie gerade eigentlich nur Hilfe brauchten. Das war ein beschissenes Gefühl gewesen, etwas davon hing nach, aber sie wusste jetzt, was sie damit machen musste: Eine Wiederholung verhindern. Sie streckte die Beine aus und entdeckte Joyce, die mit zwei Flaschen wieder auf sie zu kam. Sie prostete ihnen zu und ließ das Glas gegeneinander prallen, dass es über die halbe Wiese klirrte. Bevor sie sich wieder setzte, drückte sie Elli eine Limo in die Hand. „Eistee war aus.“ „Danke.“ Elli zog die Beine auf die Bank und verknotete sie irgendwie unter sich. „Was mache ich jetzt?“ Die drei Freundinnen sahen sich einen Moment lang schweigend an. Hin und her flogen die Blicke, bis Ceyda kicherte. „Ein Kind kriegen?“ Elli grinste kurz, aber ihr wurde heiß, sie rieb die Flasche an der Stirn. Kalt und feucht war sie, die Banderole löste sich beinahe sofort ab. „Ich habe überlegt, ob… naja, ob ich es sagen sollte, bevor man es sehen kann.“ Anna sah sehr verwirrt aus. „Es wem sagen?“ Aber Joyce hatte schon begriffen. „In der Schule?“ „Zum Beispiel?“ Elli hatte an ihre Klasse gedacht und ihre Klassenlehrerin, aber eigentlich wollte sie es vor allem hinter sich haben. Das hier war schwer genug gewesen und das waren immerhin ihre besten Freundinnen. Sie konnte sich einfach nicht vorstellen, diese Aufklärerei und die ganzen Fragen über Wochen immer und immer wieder durchzustehen. Es war doch bestimmt viel leichter, wenn es einfach einmal alle erfuhren, und dann fröhlich damit machen konnten, was sie wollten, ohne dass Elli das alles mitbekommen musste. Sie hatte bestialische Angst davor gemieden zu werden oder dass gelästert wurde, aber das konnte sie nicht ändern. Sie konnte nur beeinflussen, wie es herauskam. „Ich will das nicht jedem einzeln sagen. Das ist zu viel.“ Joyce nickte, aber Ceyda starrte sie mit großen Augen an. „Das ist doch deine Sache, das musst du überhaupt niemandem sagen!“ Sie faltete die Hände und balancierte die Drehscheibe nur mit den Füßen. „Klar, irgendwann sieht man es, aber bis dahin hast du Ruhe.“ Theoretisch hatte sie recht. Aber nur theoretisch. „Es verheimlichen ist auch anstrengend. Ich… das merkt man doch, dass irgendetwas los ist.“ Sie fühlte sich nicht mehr wie die selbe Person und glaubte, man könnte es ihr schon fast ansehen. Das Maul zerreißen würden sich einige ohnehin. Dann besser jetzt, damit sie nicht auch noch darauf warten musste. „Wahrscheinlich“, stimmte Anna zu. Elli sah auf das Stück Holz, das unter ihr hervorlugte. Edding auf Bank. Unlesbar. „Ihr habt gemerkt, dass was los ist.“ „Jaaaaaaaa.“ Ceyda stieß sich mit den Füßen nach links und zog die Beine an. Die Scheibe begann ihren Kreis langsam. „Aber wir lieben dich ja auch.“