nadnoennas

Was wäre, wenn das alles wäre. Kapitel 19

Auf dem Weg zum Haus der Wagners war Elli schwer damit beschäftigt nicht die ganze Zeit den Kopf zu schütteln. Sie verstand, was ihre Eltern erreichen wollten. Eine friedliche Lösung, eine Übereinkunft, auch wenn sich an Dennis‘ Einstellung offenbar rein gar nichts verändert hatte. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass das gegen seinen Willen möglich war, auch wenn sie seine Eltern immer als vernünftig und freundlich erlebt hatte. Es war anders geworden, diese ganzen Beziehungen und wie die Menschen um sie herum miteinander umgingen. Trotzdem fuhren sie zu dritt dorthin. Auf einen Kaffee und ein Gespräch, so war die Verabredung. Wolfgang und Daniela hatten das nicht abgelehnt, vielleicht waren ihre eigenen Eltern deshalb so optimistisch, auch wenn sie ihre Nervosität nicht ganz verbergen konnten. Immerhin musste sie mit dem gewaltigen Bauch vor sich nicht mehr die Auffahrt hinauflaufen. Sie fuhren mit dem Auto bis vor die Haustür. Die ging auf, da war Elli noch nicht einmal abgeschnallt. Und bei dem Anblick wollte sie eigentlich direkt wieder nach Hause. Dort stand Daniela, fein lächelnd, gutaussehend, nichts an ihr war echt. Nachdem Elli so oft hier gewesen war, mit ihnen gefrühstückt hatte, gesehen hatte, wie sie morgens aussahen, wenn sie noch nicht ganz wach waren, meinte sie, das beurteilen zu können. Dennis‘ Mutter wollte dieses Gespräch nicht führen, genauso wenig wie Dennis Ellis Entscheidung nicht akzeptieren wollte.

Streit mit Freund und dessen Familie um Vaterschaftsanerkennung und Unterhalt, Elli ist überfordert und verletzt, Sie kriegt vorzeitige Wehen.

Ellis Vater führte Elli an seinem Arm zum Auto. „Ruf Nadine an.“

Auf dem Bett saß Joyce in ihrer schwarzen Jeans und der silbernen Bluse. Von ihrem Hals baumelte eine lange Kette, funkelte knapp über dem kleinen Gesicht. Das Baby lag auf Joyce‘ Oberschenkeln, sah hoch und war so unendlich echt. Es hatte einen lilafarbenen Body an und kleine speckige Beinchen. Elli saß im Schneidersitz auf ihrem Drehstuhl und versuchte noch zu schlucken, was Nadine bei ihrem Besuch heute morgen gesagt hatte. Dass Elli bald ohne sie klarkommen musste, aber natürlich anrufen könnte, wenn was war. Sie würden dann eine Lösung finden oder zumindest Hilfe. Sechs Wochen war es her. Trotzdem keine Nachricht von Dennis, obwohl er Bescheid wusste, dass seine Tochter auf der Welt war. Er wechselte die Schule. Das hatte zumindest Joyce gehört und selbstverständlich erzählt. Elli war mittlerweile froh, dass er sich nicht meldete. Das Klingeln riss sie aus ihren Gedanken. Weil sie nur starrte und sich nicht rührte, übernahm Joyce das, hob das kleine Baby von ihren Schenkeln und legte es auf dem Kissen ab. Einer von ihnen musste zur Tür gehen, denn alle anderen waren ausgeflogen. Steven bei einem Kumpel, die Eltern arbeiten. Elli wusste nicht, ob sie das Vertrauen darin, dass sie schon mit ihrer Tochter umgehen konnte, gut fand oder beängstigend. Jedenfalls setzte sie sich mit aufs Bett sobald Joyce aus der Tür war. In der Nähe sein oder so. Sie stupste der Kleinen auf die Nase und fuhr mit den Fingern das feine Gesicht entlang, beugte sich zu ihr hinunter, schnupperte an ihrem Ohr. Dieses Kind roch nach allem, was gut war. Nach Leben und nach Liebe. Elli konnte das nicht beschreiben. Es war eins dieser vielen Dinge, die sie gleichzeitig panisch und glücklich machten. Unten ging die Tür auf und kurz darauf kamen mehrere Füße die Treppe hinauf. Die Zimmertür hatte Joyce gar nicht erst geschlossen, dafür gab es ja keinen Grund. Also konnte Elli früh sehen, wer da mit ihr auf sie zukam. Grinsend schob Joyce Benni mehr oder weniger deutlich ins den Raum hinein. „Ich geh aufs Klo“, sagte sie in einem fröhliche Singsang und war auch schon weg. „Hi“, sagte Benni. „Hi“, sagte Elli. Er kam näher, schob die Brille auf der Nase zurück und sah ständig zwischen Elli und dem Baby hin und her. Dann kicherte er. Es war ein helles Geräusch, das überhaupt nicht zu seiner so coolen Erscheinung passte. „Was?“, fragte Elli. „Sie sieht aus wie du in zerknautscht.“ Elli nahm ihr Baby hoch und an ihre Brust. Was sollte sie von dieser Aussage halten? Benni deutete neben die beiden aufs Bett und wartete ein schroffes Nicken ab, bevor er sich setzte. „Sie ist wunderschön“, sagte er. Elli öffnete den Mund und schloss ihn wieder. Was sie darauf antworten sollte, wusste sie auch nicht. „Wie heißt sie?“ „Josefine“, antwortete Elli. „Cooler Name.“ Das fand Elli auch. Er fing mit J an.